Impressionen des Tatort Taraxacums

 

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Für Sie gelesen!


 

Titel des Monats März

 

 

Howey,

Silo

ISBN 978-3-492-05585-7

Piper

erschienen im März 2013

 

Eine düstere Vision über die letzten Menschen:  Schon lange, leben sie unter der Erde, in einem mächtigen Silo, die Welt, wie sie sie früher kannten, existiert nicht mehr. Die einzige Verbindung ist eine Luke im obersten Stock des Silos mit Blick auf eine verwüstete, lebensfeindliche Oberfläche, deren Betreten den sicheren Tod bedeutet.

In unregelmäßigen Abständen können sich die Silobewohner davon selbst überzeugen. Zum Tode Verurteilte, Aufrührer, Neugierige, Ungläubige erhalten einen Schutzanzug und werden nach draußen geschickt, nur um wenige Minuten später durch die alles durchdringende giftige Luft ihr Leben qualvoll zu beenden.

Nicht alle Menschen im Silo sind überzeugt. Wer ist für die Verurteilungen zuständig? Gibt es Gruppen innerhalb des Silos, die mit Hilfe von Lügen und Manipulationen ihre Macht aufbauen und verfestigen? Ist der Blick auf die Erdoberfläche real oder gesteuert über einen großen Monitor? Warum gibt es immer wieder blutige Aufstände, über deren Abläufe kaum Computeraufzeichnungen zu finden sind?

Juliette, eine Mechanikerin aus den untersten Stockwerken des Silos, beginnt die Gesellschaft und die Regeln des Silos zu hinterfragen. Und ihre Entdeckungen, ihr verzweifelter Mut, ihr Sinn für Menschlichkeit und Gerechtigkeit, ihr Streben nach Wahrheit führen zu einem fast aussichtslosen Kampf gegen die Mächtigen ihrer unterirdischen Welt.

Der Roman beeindruckt durch die sich stetig steigernde Spannung und ein überaus aufregendes Finale. Das Besondere an diesem „utopischen“ Thriller ist allerdings die Zuordnung zu einem Gesellschaftsroman, der zum einen zivilisatorische und kulturelle Werte wie Gerechtigkeit und Freiheit auch bei Gefährdung des eigenen Lebens verteidigt und uns zum anderen einen Blick auf unsere eigene Vergangenheit und Zukunft ermöglicht.

 

 

 


Titel des Monats Februar

 

   

 

Lansdale,

Dunkle Gewässer

ISBN 978-3-608-50131-5

Tropen bei Klett-Cotta

19,95 €

erschienen im Februar 2013

 

 

 

Ja, was ist das überhaupt für ein Buch? Vielleicht haben Sie es das erste Mal auf Empfehlung Ihrer Buchhändlerin in die Hand genommen oder zufällig auf dem Büchertisch entdeckt. „Dunkle Gewässer“ ist der Titel, und auf dem Cover steht, was es ist: „Eine umwerfende Abenteuergeschichte“. Wenn wir angefangen haben zu lesen (und versprochen: Sie werden nicht wieder aufhören), kommen uns erste Zweifel. Ist das Buch nicht eher eine humorvolle Entwicklungsgeschichte oder ein spannender Krimi mit Horroreinschlägen? Oder sind wir hier auf einen sozialkritischen Roman aus den Zeiten der Großen Depression im Süden der Vereinigten Staaten gestoßen? Suchen wir nach Indizien.

 

Schon immer träumte May Lynn, das schönste Mädchen der Umgebung, davon, als Filmstar nach Hollywood zu gehen. Als sie ermordet aufgefunden wird, halten es die Erzählerin Sue Ellen, ihre schwarze Freundin Jinx und der wahrscheinlich schwule Terry für ihre Pflicht, wenigstens die Asche der toten Freundin am Ort ihrer Sehnsucht zu verstreuen. Auf einem Floß beginnt die Reise in Richtung Hollywood. Spätestens jetzt denken wir, auch wenn es nicht der Mississippi ist, sondern der Sabine River, unweigerlich an die Abenteuer des Huckleberry Finn. Aufgewachsen sind die jugendlichen Protagonisten im südlichen Texas, einem tiefgläubigen bigotten Umfeld, geprägt von Zucht und Ordnung, Rassismus und bitterer Armut. Dies alles hinter sich zu lassen, wird zu einem Akt der Befreiung.

 

Aber die drei Freunde haben in den Habseligkeiten der Toten auch einen Hinweis auf die Beute eines Banküberfalls gefunden, und damit wird ihre abenteuerliche Floßfahrt zur Flucht vor skrupellosen Verwandten und habgierigen Gesetzeshütern. Als sich auch der wahnsinnige sagenumwobene Killer Skunk auf ihre Fährte setzt, wird der Roman endgültig zum spannenden und beängstigenden Thriller.

 

Sie sehen, das temporeiche Buch ist in seiner Komplexität kaum einem Genre zuzuordnen. Dazu kommt die betörende Sprache des Autors. Düster und komisch, anspruchsvoll und unterhaltend.

 

„Dunkle Gewässer“ sollten Sie (nein, müssen Sie) unbedingt lesen.

 

 


Titel des Monats Januar

 


Lanchester,

Kapital

ISBN 978-3-608-93985-9

Klett-Cotta

24,95 €

erschienen im Oktober 2012


Großstadtleben in der Finanzmetropole Englands, in einer kleinen Straße im Süden Londons. Die Immobilienpreise explodieren, und die ursprünglich für die Mittelschicht gebauten Reihenhäuser werden fast über Nacht zu den begehrten Wohnsitzen der Profiteure eines Wirtschaftssystems, das sich in zunehmendem Maße an den Interessen des Finanzkapitals orientiert. In der Pepys Road ändert sich nicht nur das Straßenbild, auch das Leben hinter den Fassaden passt sich der Zeit an.

Der Autor eröffnet uns das faszinierende Kaleidoskop einer Straße, die vermutlich absichtlich nach dem großen englischen Tagebuchschreiber Samuel Pepys benannt wurde, ihren Bewohnern, deren Leben, Interessen, Vorlieben.

Wir erhalten Einblick in das Schicksal des erfolgreichen Investmentbankers Roger Yount, dessen Welt zusammenbricht, als der erwartete Bonus über eine Million Pfund ausbleibt; in das Leben des Aktionskünstlers Smitty und seiner Anonymität als Voraussetzung der Berühmtheit; in die Familie Kamal in ihrem kleinen Kiosk am Rande der Pepys Road.

Zwar lebt jeder passend zu Gesellschaftsordnung und englischem Lebensstil für sich allein und dennoch sind alle Schicksale geschickt miteinander verknüpft. Und das Leben ist alles andere als statisch: die Kamals aus Pakistan geraten urplötzlich unter Terrorismusverdacht; in das Haus eines Fußballmanagers der Premier League zieht ein neues Spielertalent ein, Freddy Kamo, Wunderstürmer aus dem Senegal; der vor Mugabe geflüchteten Politesse droht die Abschiebung nach Simbabwe; und der polnische grundehrliche Handwerker Zbigniew verliebt sich in das Kindermädchen der Younts.

Und dann erhalten alle Haushalte eine Postkarte mit der Botschaft „Wir wollen, was ihr habt.“

Scherz? Drohung? Die Polizei beginnt zu ermitteln…

John Lanchester gelingt, wie die Times schreibt, „ein vielschichtiger und packender Roman über Gier, Angst und Geld.“ Und, man muss es hinzufügen, das Buch ist zutiefst menschlich, komisch und bewegend.

Ich kann nur anraten. Dieses „Kapital“ lohnt sich.

 

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Titel des Monats Dezember

 

 


 

Kutscher,

Die Akte Vaterland

ISBN 978-3-462-04466-9

Kiepenheuer & Witsch

19,99 €

erschienen im August 2012

 

 

Eigentlich, ich muss es gestehen, bin ich kein Anhänger historischer Kriminalromane. Aber wie so oft, gibt es auch hier Ausnahmen.

Der Zeitrahmen jedenfalls ist aufregend: Frühsommer 1932. Als historisch einigermaßen Bewanderte, denken wir an den drohenden Aufstieg der Nationalsozialisten und an die zukünftigen Opfer eines barbarischen Regimes. Unter Franz von Papen wird das Verbot der SA wieder aufgehoben und Preußens Regierung als letzte wichtige demokratische Institution aus dem Amt geputscht. Und mittendrin Kommissar Gereon Rath. Ein mysteriöser Mord im Fahrstuhl des „Hauses Vaterland“, einem bekannten Vergnügungstempel mitten in Berlin, und weitere nicht minder seltsame Todesfälle, stellen die Polizei vor ein Rätsel.

Während Raths Freundin „Charly“ Ritter als Kommissarsanwärterin verdeckt am Tatort zu ermitteln beginnt, ungewöhnlich für eine Zeit, in der Frauen in der Mordkommission höchstens als Schreibkräfte akzeptiert werden, folgt Rath einer Spur in eine masurische Kleinstadt an der Grenze zu Polen, wo man sich 1920 in einer Volksabstimmung fast einstimmig für die Zugehörigkeit zu Deutschland entschieden hatte. Und aus dieser Stadt stammen die Toten in Berlin. Zufall? Opfer des florierenden Alkoholschmuggels? Und besteht ein Zusammenhang zur Ermordung einer jungen Frau vor vielen Jahren? Rath jedenfalls wird nicht besonders freundlich aufgenommen.

Fassen wir die Pluspunkte des Romans zusammen: eine spannende Tätersuche, ein sympathischer Kommissar, eine authentische Beschreibung politischer und gesellschaftlicher Verhältnisse. Was wollen Sie mehr?

Und  neben den Schauplätzen sind auch einige „Mitwirkende“ historisch verbürgt. Also auf: Recherchieren Sie. Viel Spaß!


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Der etwas andere Krimi

 


 

v. Ditfurth,

Das Dornröschenprojekt

ISBN 978-3-570-58500-9

carl's books

14,99 €

erschienen im August 2011

 

 

Oh wie schön! Kein Psychopath mit schrecklichen Kindheitserinnerungen. Keine auf grausamste Art verstümmelte Leichen junger Mädchen. Zur Abwechslung geht es um Korruption, Geheimdienste, Waffengeschäfte. Im aufregenden Berlin spielt der Roman, in den angesagten Szene-Vierteln. Im Milieu alternativer, altlinker Lebensformen. Manche Leser werden sich wehmütig-lustvoll erinnern: Wohngemeinschaften, Demos, Auseinandersetzungen mit der Polizei, unangepasstes Verhalten. Ja, damals…!

Im Mittelpunkt des Krimis stehen drei sympathische WG-Freunde. Der große, dicke, geheimnisvolle Twiggy, der für seinen auf Thunfisch versessenen Kater Robbi zeitweise alle ökologischen Grundsätze vernachlässigt, der Fast-Lehrer Matti, jetzt unterwegs als ortskundiger Taxi-Fahrer und Dornröschen, intelligent, tatkräftig, ständig Siegerin beim regelmäßigen Wohngemeinschafts-Mau-mau-spielen.

Als ein Unbekannter in Mattis Taxi eine DVD zurücklässt und zwei Szene-Kumpel beim Versuch die Daten zu entschlüsseln ums Leben kommen, ist es aus mit dem gemächlichen WG-Leben. Die Polizei hält sich bei ihren Untersuchungen verdächtig zurück, und so ist es an Dornröschen und ihren Freunden zu mindestens vorübergehend an ihre „kämpferische“ Vergangenheit anzuknüpfen. Und dann eskaliert die Situation und die drei müssen um ihr Leben fürchten…

Trotz mancher Klischees, so sind die Polizisten alle brutal und blöd, die Schlapphüte vom Verfassungsschutz unfähig, auch schon vor den NSU-Morden, der Krimi macht uneingeschränkt Spaß. Im Klappentext des Romans heißt es: ein spannendes Kriminalstück aus Berlin mit altlinken Originalen, mit denen man als Leser sofort per Du ist.

So ist es. Viva la revolución.

 

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Titel des Monats November

 


 

 

Guillou,

Die Brückenbauer

ISBN  978-3-453-26825-8 

Heyne

22,99 €

erschienen im August 2012

 

 

Zu einem der erfolgreichsten Thriller-Autoren Schwedens wurde er durch seine „Coq Rouge“ Romane um einen Geheimdienstagenten mit maoistischer Vergangenheit. Äußerst spannende Bücher, mehrfach verfilmt. Jetzt erscheint der erste Band seiner „Jahrhundert-Trilogie“.

„Die Brückenbauer“ von Jan Guillou ist ein historischer Roman, beginnend in den letzten Jahren des 19.Jahrhunderts, dem Zeitalter der sich entwickelnden Moderne, des technischen Fortschritts, der politischen und gesellschaftlichen Umwälzungen.

Drei norwegische Fischerjungen, technisch ungewöhnlich begabt, werden nach dem Tod ihres Vaters auf See am Polytechnikum in Dresden, der angesehensten technischen Hochschule jener Zeit, zu Diplom-Ingenieuren ausgebildet, gefördert von den Honoratioren der Stadt Bergen. Voraussetzung ist ihr Versprechen nach dem Studium am ehrgeizigsten Ingenieursprojekt des Landes, dem Bau der norwegischen Bergenbahn,  mitzuwirken, wegen der klimatischen Verhältnisse, der Gletscher, der Unzugänglichkeit eine anspruchsvolle und gefährliche Arbeit.

Nach dem glanzvoll bestandenen Examen aber trennen sich die Wege der Brüder. Während Oscar nach einer tiefen Liebesenttäuschung seine Zukunft in den fernen Kolonialgebieten Deutschlands sucht und Sverre zum Entsetzen von Familie und homophobem Bekanntenkreis an seiner sexuellen Orientierung und seinem adligen englischen Freund festhält, stellt sich nur Lauritz der eingegangenen Verpflichtung.

Dem Autor gelingt es, die verschiedenen Lebenswege der Brüder fesselnd und bewegend zu schildern, wobei der Reiz des Buches vor allem in der Konfrontation der Protagonisten mit den herrschenden Zeitumständen und den sie begleitenden Ideologien liegt.

Oscar führt ein aufregendes Leben beim Bau der Tanganjika Bahn im glühend-heißen Deutsch-Ostafrika: Blutige Kämpfe gegen eingeborene Kannibalen, Jagd auf menschenfressende Löwen, geschäftliche Erfolge durch Mahagoni und Elfenbein. Und dennoch: war er nicht früher als Karl-May-Leser immer auf Seiten der Indianer? Bringt die Eisenbahn wirklich nur den Fortschritt für Afrika? Und dann verliebt sich Oscar in eine Frau der Barundi…

Lauritz findet seine berufliche Anerkennung beim Brückenbau im kalten Norwegen. Große internationale Firmen reißen sich um ihn, den kleinen Fischerssohn aus ärmlichen Verhältnissen. Seine große Liebe Ingeborg jedoch stammt aus einer reichen Familie. Ihr Vater, ein deutscher Baron, sucht bei passender Gelegenheit, etwa auf der Kieler Woche, nach einem standesgemäßen Ehemann für seine Tochter. Aber das zwanzigste Jahrhundert hat begonnen. Emanzipation, Wahlrecht, freie Berufsausübung, Frauenrechte sind keine reinen Schlagworte mehr; auch und vor allem nicht für Ingeborg.

1905 schließlich erklärt sich Norwegen für unabhängig von Schweden. Droht ein Krieg? Und der deutsche Kaiser schickt sein Kanonenboot nach Agadir …

 

Lassen Sie sich von diesem opulenten „Wälzer“ unterhalten und informieren. Sie werden sich auf den zweiten Band freuen.

 

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Titel des Monats Oktober

 

 


 

Oswald,

Unter Feinden

ISBN 978-3-492-05383-9  

Piper

18,99 €

erschienen im Januar 2012

 

Zunächst: Dieser Roman ist außergewöhnlich. Die beiden Polizeikommissare Diller und Kessel sind alte Freunde. Während der pflichtbewusste Diller sich in ständiger Auseinandersetzung mit seinen Kindern um Polizeigewalt, Überwachungsstaat, Autorität und Freiheit, eine bürgerliche Existenz aufgebaut hat, lebt und arbeitet sein Partner unter ständigem Drogeneinfluss.

 

Schauplatz ist München, nicht die „Hauptstadt der Herzen“, sondern ihre dunkle Seite, verwahrloste Viertel, Unruhen auf den Straßen, zunehmende Drogenkriminalität.

Und hier findet, überschattet von terroristischen Drohungen, in ein paar Tagen eine internationale Sicherheitskonferenz statt. Die Polizei ist mit all ihren Kräften gefordert, aber dann verletzt Kessel auf der Suche nach Drogen einen Araber schwer und Diller muss sich um ihn kümmern. Die internen Ermittlungen könnten beider Karriere beenden. Wie soll sich Diller verhalten? Wird er seinen Partner decken? Auch auf Kosten seiner eigenen Familie? Kessel jedoch flüchtet sich in Verzweiflung und Drogenrausch.

Und dann kommt es trotz aller Sicherheitsvorkehrungen während der Konferenz zu einem Attentat…

Ein spannendes Lesevergnügen abseits des Mainstream. Der Verlag spricht von einem literarischen Thriller. Urteilen Sie selbst.

 

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Titel des Monats September

 

 


 

Quirk,

Die 500

ISBN 978-3-89667-472-2

Blessing

19,95 €

Neuerscheinung August 2012

 


Sind Sie auch ein Bewunderer von Julia Roberts etwa in ihrer Rolle als Gerechtigkeit suchende Anwältin? Und erinnern Sie sich an Tom Cruise als den ehrgeizigen Juraabsolventen, der für das FBI geheime Dokumente seines Arbeitgebers beschaffen soll? Genau. Die Filme „Die Akte“ und „Die Firma“ kennt fast jeder Thriller-Fan. Und natürlich auch die Romanvorlagen von John Grisham, dem Großmeister der Spannungsliteratur im Anwaltsmilieu.

Jetzt ist der erste Roman von Matthew Quirk erschienen, ein atemberaubender Thriller über die einflussreichste Beraterfirma in Washington, zu deren Klienten die 500 mächtigsten Männer des Landes gehören. Von dieser Firma wird Mike Ford, überschuldeter Jurastudent in Harvard, eingestellt. Trotz seiner Vorstrafe wegen Einbruchs und seines im Gefängnis sitzenden Vaters. Als er in einer Mitarbeiterin seine große Liebe findet und der charismatische Dozent Henry Davies ihn als Nachfolger aufzubauen beginnt, glaubt sich Mike am Ziel seiner Wünsche. Dann aber werden zwei Leichen gefunden, plötzlich steht er selbst unter Mordverdacht, und die dubiosen Methoden der Firma im Kampf um Macht und Einfluss lassen Mike zweifeln. In einem rasanten Wettlauf gegen die Zeit versucht er sein Leben, seine Liebe und die Reste seiner Integrität zu retten. Und dafür muss er Davies mit dessen eigenen Waffen schlagen.

Natürlich werden wir uns weiterhin auf jeden neuen Grisham freuen. Aber Matthew Quirk ist gut, vielleicht sogar besser? Entscheiden Sie selbst.

 

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Titel des Monats August

 

 

 

Kaiser, 

Blasmusikpop

ISBN 978-3-462-04464-5 

Kiepenheuer & Witsch

19,99 €

erschienen im August 2012

 

 

Man denke an ein abgelegenes Dorf in den Alpen, umgeben von kaum zu überwindenden schroffen Bergmassiven; also fernab von jeder Zivilisation oder was man sich darunter auch immer vorstellen mag. Hier wächst er auf, Johannes A. Irrwein, glühender Anhänger der altgriechischen Kultur, verzweifelnd an dem Desinteresse seiner Mitmenschen. Vorbild ist sein „Doktor Opa“, der nach sieben Jahren Exil als erster Akademiker die gottgewollte Ordnung im Dorf St. Peter durcheinanderwirbelt hatte. Johannes, allen profanen Vergnügungen der Dorfjugend abgeneigt, folgt seinen Spuren. Als Mitglied des Digamma-Klubs, einer altphilologischen Geheimgesellschaft an seiner Schule im Nachbarstädtchen, ergreift ihn die Liebe zum griechischen Historiker Herodot. Wissenschaftlich korrekt versucht er durch Beobachtung und Selbstbeobachtung die Zivilisationsferne der Dorfbewohner zu ergründen. Dann aber schlägt die Liebe zu und als ausgerechnet der Totenkopf-Verein St.Pauli zu einem Freundschaftsspiel in das streng katholische St.Peter kommt, scheint sich alles zu ändern. Oder doch nicht?

 

Selten hat der Rezensent so oft vor sich hin gekichert und sich an den gelungenen, manchmal auch berührenden, Beschreibungen des 'Bergbarbarenvolkes' erfreut. Dass das Buch in den Alpen Österreichs spielt ist trotz der vielen Dialektpassagen unwichtig, den Ort mit all seinen in ihrer Beschränktheit noch liebenswerten Personen kann man auch in irgendeine einsame, abgeschlossene Gegend Norddeutschlands versetzen. Der Versuch des Johannes A. Irrwein, sich aus der manchmal auch anheimelnden Enge der Dorfgemeinschaft zu lösen und die Welt der 'Zivilisation' zu erobern, ist an keine Zeit, an keinen Ort gebunden. Mit seinen häufig auch skurrilen Einfällen und Wendungen erinnert dieser 'Entwicklungsroman' an die Werke John Irvings. Wenn das kein Kompliment für die Autorin ist!
Ein beeindruckendes Debut. Herodot lässt schmunzeln.


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Titel des Monats Juni

 

 

 

 

Raabe,

Schnitt

ISBN 978-3-548-28435-4

Ullstein

14,99 €

erschienen im Mai 2012

 

 

Endlich hat der 11-jährige Gabriel freie Bahn. Seine Eltern sind abgelenkt und streiten sich in der Küche. Den doch nur störenden jüngeren Bruder David hat er vorsorglich im Kinderzimmer eingesperrt. Seinem Vorbild Luke Skywalker mutig folgend, geht Gabriel auf Entdeckungsreise. Ziel ist der dunkle Keller und das „geheime“ Labor seines Vaters.

 

Was er dort vorfindet, verändert sein Leben, seine Zukunft. An diesem furchtbaren Tag werden seine Eltern ermordet, das Haus brennt ab, und der verstörte Gabriel führt über zwanzig Jahre lang, nach einem Aufenthalt in der Psychiatrie, ein einsames Leben; der Kontakt zum gerade noch geretteten David ist abgebrochen. Nur Luke Skywalker macht sich noch ab und zu in seinem Kopf bemerkbar. Die Ereignisse im Keller aber sind aus Gabriels Gedächtnis vollständig entschwunden.

 

Vergessen scheint die einzige Therapie zur Überwindung des Traumas zu sein. Bis zu jenem Tag, als seine Freundin in die Hände eines gefährlichen Psychopathen gerät, dessen Andeutungen und Drohungen auf einen Zusammenhang mit den verhängnisvollen Ereignissen der Vergangenheit verweisen.

 

Das Buch ist ein echter „page-turner“. Atemlos folgt der Leser einer rasanten Handlung. Wer ist der Täter? Was geschah vor über zwanzig Jahren? Wo ist David? Kann er helfen? Und: kann Gabriels Freundin gerettet werden?

 

Neugierig? Lesen Sie das Buch. Es lohnt sich.

 

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Titel des Monats April

 


 

 

 

 

Wittekindt,

Schneeschwestern

ISBN 978-3-89401-743-9 

Edition Nautilus

18,00 €

erschienen im August 2011

 

 

November im deutsch-französischen Grenzgebiet. Für diese Jahreszeit ungewöhnlich starke Schneefälle machen viele Straßen unpassierbar. Nach dem Besuch einer Diskothek fahren fünf angetrunkene Jugendliche um die 16 zu einem im Wald gelegenen Parkplatz. Was sie auch immer im Einzelnen beabsichtigen, das Resultat ihrer Handlungen ist verheerend: ein erschlagenes Mädchen und ein in Kälte und Schnee erfrorener Junge. Vieles deutet auf einen Sexualmord hin. Verstärkt wird der Verdacht, als ein anonymer Anruf bei der Tageszeitung einen am Ort lebenden Lehrer belastet, der bereits früher bei einem ähnlichen Fall unter Verdacht stand. Wir, die Leser, wissen aber bereits mehr. Tagelang hatte ein Unbekannter das ermordete Mädchen überwacht, war ihr auf Schritt und Tritt gefolgt, hatte sie vor der Diskothek beobachtet und geduldig gewartet, bis sie einige Zeit später mit den anderen Jugendlichen davonfuhr. Er hatte das schon öfters gemacht: ein junges Mädchen aussuchen, ihre Überwachung genauestens  planen und dann die Verfolgung aufnehmen. Alles ganz harmlos wie er meinte, er durfte nur nie aus dem Auto aussteigen …

Das Buch ist in Sprache und Stil außergewöhnlich. Teilweise kurze Sätze, zwei oder drei Worte. Anmerkungen, die auf den ersten Blick, unverständlich erscheinen, wechseln sich ab mit ausführlichen Reflexionen über die handelnden Personen, die privaten Beziehungen der Ermittlungsbeamten und über das Leben im Allgemeinen. Mit einem Wort: gewöhnungsbedürftig. Aber, zunächst kaum merklich, zieht den Leser das Geschehen in den Bann und lässt ihn dann nicht mehr los.

In einer Internet-Rezension muss sich der Autor den „Kitsch“-vorwurf gefallen lassen. Na und. Wenn das Kitsch ist, bitte mehr davon.

 

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Titel des Monats Februar

 

 

 

 

Sommer,

Spur nach Ostfriesland

ISBN 978-3-89705-859-0

emons

10,90 €

erschienen im September 2011

 

 

Eine kleine Buchhandlung in einem kleinen Städtchen im Taunus. Kaum ein Ort für ein Verbrechen; sollte man meinen. Dann aber verschwindet eine Angestellte und die Ereignisse überschlagen sich. Das Opfer findet sich in einem Keller wieder, in absoluter Dunkelheit, ohne Erinnerung, und als dann der psychische Terror beginnt, erscheint die Lage hoffnungslos.

Die Polizei ermittelt im beruflichen Umfeld der Buchhändlerin; schon früher war an ihrem Arbeitsplatz eine Praktikantin verschwunden und erst einige Zeit später, zwar wohlbehalten aber geistig verwirrt, wieder aufgetaucht. Nach Zusammenhängen sucht auch die dem Leser aus den früheren Büchern der Autorin bereits bekannte, unkonventionelle Anwältin Marilene Müller und stößt dabei auf eine junge Frau aus Ostfriesland mit einem ähnlichen Schicksal, die als Patientin eines bekannten Trauma-Spezialisten in Wiesbaden ihr Gedächtnis wiederzugewinnen sucht. Vielleicht zu erfolgreich? Als Marilene nach Leer reist, wird sie Zeugin eines Mordanschlages und gerät selbst in höchste Gefahr.

Natürlich ist das Buch vor allem ein spannender Krimi mit einem brisanten Thema und einem Showdown, der den Leser atemlos zurücklässt. Das Markenzeichen der Autorin und damit der besondere Reiz dieses Romans ist jedoch die ungewöhnliche, kraftvolle Sprache, poetisch vor allem bei der Schilderung der ostfriesischen Landschaft, locker und humorvoll in den Dialogen. Und, wird sich der treue Leser jetzt fragen, „kriegen“ sie sich, der Kommissar und die Anwältin? Lesen Sie es nach.

 

 


 


Spannung auf dem Schiff

und im Bus


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